Fütterung und Klauen – Zwei eng miteinander verknüpfte Begriffe
Kuh fressend
Thurgauer Bauer Nr. 46 (November 2001)
Dr. Annette Liesegang, Institut für Tierernährung, Winterthurerstr. 260, 8057 Zürich,
aliese@vetphys.uzh.ch
Grundlagen für gesunde Klauen
Das Wohlbefinden der Kühe hängt sehr stark vom Gesundheitsstatus des Bewegungsapparates und damit von der Klauengesundheit ab. Zusätzlich entstehen bei Klauenleiden grosse finanzielle Verluste für den Betrieb durch verminderte Milchleistung, Abmagerung, Euter- und Zitzenverletzungen Fruchtbarkeits-probleme und vorzeitige Schlachtung.

Die Klauen eines Rindes sind eine Schutzvorrichtung für die darunterliegenden Knochen und Sehnen. Die Hornschichten der Klauen erneuern sich dauernd, werden jedoch bei Hausrindern nicht genügend abgerieben.Somit ist die Klauenpflege mit fachgerechtem regelmässigem Klauenschneiden eine der wichtigsten Grundlagen, um die Klauengesundheit der Milchkuh zu kontrollieren und zu erhalten.

Jedoch können auch bei regelmässiger Klauenpflege schlechte Klauen auftreten. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Eine dieser Ursachen ist sicherlich die erbliche Komponente, jedoch darf man in diesem Zusammenhang die Fütterung nicht unterschätzen. Richtige Fütterung führt zu einem stabilen Pansenmilieu, welches wiederum zur Vorbeugung von Stoffwechselbelastungen beiträgt. Fütterungsfehler lassen sich durch die Klauengesundheit erkennen.

Klauenprobleme, die durch falsche Fütterung bedingt sind: Die Klauenrehe und ihre Folgen
Allgemein sollte immer daran gedacht werden, dass die Probleme, die durch falsche Fütterung entstehen, auch zusätzlich von anderen Faktoren wie erbliche Komponenten, einstreulose Haltung, Stress und mangelhafte Klauenpflege beeinflusst werden.

Die Klauenrehe beginnt meistens in der Zeit des Abkalbens und in der Frühlaktation. Eine wichtige Rolle zur Entstehung der Klauenrehe spielen vor allem zu hohe Kraftfuttergaben und geringer Rohfasergehalt der Gesamtration. Der Rohfasergehalt bzw. die Struktur einer Ration lässt sich durch die Wiederkauaktivität der Kuh schätzen. Aber auch der Milchfettgehalt kann Aufschluss über die Rohfaserversorgung der Milchkuh geben.

Des weiteren spielen plötzliche Futterumstellungen im Zeitraum der Geburt, proteinreiche Fütterung mit Energiemangel und Silagefütterung (Struktur!) eine grosse Rolle.

Als Folge der Klauenrehe können zusätzlich folgenden Klauenprobleme auftreten

  • Sohlengeschwüre
  • Eitrig-hohle Wand
  • Ballenfäule

Vor allem bei gehäuftem Auftreten von Klauenrehe in einem Betrieb sollte die Fütterung genau überprüft werden.

Wieso entstehen Probleme bei falscher Fütterung?
  • Leichtverdauliche, energiereiche Rationen mit wenig Struktur (rohfaserarm) führen zu einer Übersäuerung des Pansens, da das Futter zu wenig gekaut wird und dadurch der Speichel die Säuren nicht mehr puffern kann. Durch das veränderte Milieu im Pansen sterben verschiedene Bakterien ab und entlassen Giftstoffe in das Blut, die zu Durchblutungsstörungen in wichtigen Geweben der Klauen führen. Somit kann Klauenrehe entstehen.
  • Energierarme Rationen belasten den ganzen Stoffwechsel der Hochleistungskühe. Dabei ist vor allem die Leber betroffen. Man findet vermehrt Harnstoff in der Milch und im Blut. Die stark belastete Leber kann die anfallenden giftigen Stoffwechselprodukte nicht mehr abbauen und damit unschädlich machen. Eine Anhäufung dieser Stoffwechselprodukte kann wiederum dazu führen, dass die wichtigen Gewebe der Klauen nicht mehr genügend durchblutet werden können, was wiederum die Klauenrehe auslösen kann.
  • Proteinreiche Rationen können auch zu erhöhter Harnstoffproduktion führen, was wiederum die Problematik wie unter Punkt 2 beschrieben hervorruft.
  • Falsche Galtfütterung, dh. zu energiereiche Rationen führen dazu, dass die Kühe zu fett sind. Der Appetit dieser Kühe ist nach der Geburt reduziert, wodurch sie zu wenig Rohfasern aufnehmen. Dadurch sind sie wiederum anfälliger für Pansenacidose und Stoffwechselstörungen.
  • Plötzliche Futterumstellungen im Zeitraum der Geburt führen dazu, dass die Pansenbakterien und die Pansenschleimhaut nicht genügend vorbereitet sind auf hohe Kraftfuttergaben. Das führt zu einer Übersäuerung des Pansens und damit zu einem erhöhten Risiko für Klauenrehe.
Wie kann der Klauenrehe vorgebeugt werden?
Allgemein sollte darauf geachtet werden, dass die Galtkuh langsam und richtig auf die Ration, die sie nach der Geburt erhält, umgestellt wird. Die Ration nach der Geburt sollte unbedingt genügend Struktur enthalten, dh. der Rohfaseranteil sollte hoch genug sein. Durch zusätzliche Gaben von älterem Heu kaut die Kuh vermehrt, das Futter wird besser eingespeichelt und somit kann einer Übersäuerung des Pansens entgegen gewirkt werden. Ausserdem sollte gezielt, der Leistung und der Ration angepasst, genügend Energie zugeführt werden.
Können Futterzusätze helfen?
  • Biotin: Die Versorgung der Rinder mit Biotin ist häufig nicht optimal. Die Aufnahme von Biotin mit dem Futter beläuft sich beim Rind auf etwas 1 bis 5 mg je Tag. Abbau und Synthese von Biotin in den Vormägen sind relativ klein. Durch eine Zulage von 20 mg je Rind und Tag ist eine Verhütung von Klauenschäden möglich. Jedoch muss Biotin über mindestens 6 Monate verabreicht werden. In Kombination mit Klauenpflege ist Biotin sicherlich eine gute vorbeugende Massnahme zur Verbesserung der Hornqualität.
  • Zink und Schwefel: Vor allem die organische Form, weniger die anorganische Form des Zinks soll zur Härtung des Klauenhorns führen. Auch Schwefel spielt eine entscheidende Rolle im Wachstum des Horns. Es wird empfohlen allen Futterrationen landwirtschaftlicher Nutztiere Zink zuzusetzen. Jedoch muss man daran denken, dass durch zu hohe Gaben von Zink eine Kupfermangelsituation entstehen kann, da zwischen Kupfer und Zink eine wechselseitige Beziehung bei der Aufnahme im Darm besteht.
  • Methionin: Methionin als schwefelhaltige essentielle Aminosäure wurde auch im Zusammenhang mit verbesserter Hornqualität diskutiert. Hierbei ist noch umstritten, ob Methionin beim Wiederkäuer überhaupt für die Hornbildung verfügbar ist.
Kuhkopf
Empfohlene Literatur:
C. Lischer, H. Geyer, P. Ossent, K. Friedli, I. Näf: Handbuch zur Pflege und Behandlung der Klauen beim Rind. Lehrmittelzentrale Zollikofen, 1998.

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Letzte Aenderung: 7/9/2008